Die Deutschen vernachlässigen ihren Impfschutz
Die Deutschen vernachlässigen bei Tropen- und Fernreisen ihren Impfschutz. Die Mehrzahl ist unzureichend gegen Typhus Diphtherie, Gelbfieber, Hepatitis A sowie Kinderlähmung und Tollwut geimpft. Nach eigener Einschätzung nur zwischen 30 und 40 Prozent der 1.239 Befragten über einen Impfschutz gegen Hepatitis A oder Typhus.
Lediglich jeder fünfte Fernreisende fühlt sich ausreichend vor Cholera oder Gelbfieber geschützt. Immerhin geben knapp 90 Prozent der Befragten an, gegen Tetanus geimpft zu sein.
Alarmierend jedoch: Der eigene Impfschutz wird vielfach falsch eingeschätzt. Die tatsächlichen Durchimpfungsraten der Deutschen sind wesentlich niedriger.
Trotz eindringlicher Warnungen der Gesundheitsämter und Tropenmediziner unterschätzen viele Fernreisende die Gefahr von Infektionskrankheiten. Von den jährlich 25.000 klinischen Hepatitis A Fällen infizieren sich fast drei Viertel im Ausland. Nach eigenen Aussagen fühlen sich rund 40 Prozent der Fernreisenden ausreichend gegen Hepatitis A geschützt. Die tatsächliche Durchimpfungsrate bei Erwachsenen liegt jedoch lediglich bei rund sieben Prozent.
Übertragungswege vielfach unbekannt
Große Unkenntnis herrscht bei möglichen Übertragungswegen: So meint fälschlicherweise jeder fünfte Bundesbürger, dass Hepatitis A durch Stechmücken übertragen wird. Obwohl vier von zehn Befragten wissen, dass das Gelbfieber-Virus durch Mückenstiche in die menschliche Blutbahn gelangt, glaubt dennoch jeder Dritte, dass er sich diese Erkrankung auch durch den Konsum von verseuchtem Wasser zuziehen kann. Immerhin weiß die Mehrzahl der Befragten, dass Tollwut durch Blut oder Speichel eines infizierten Tieres und Typhus durch verunreinigtes Trinkwasser und verdorbene Lebensmittel übertragen wird. Die Ergebnisse der Emnid-Studie unterstreichen die Notwendigkeit, Fernreisende verstärkt über mögliche Impfungen aufzuklären.
Positive Einstellung zum Impfen
Generell haben die Deutschen eine positive Einstellung zu Reiseimpfungen: 92 Prozent halten einen ausreichenden Impfschutz bei Fernreisen für notwendig. Fast jeder zweite Bundesbürger fürchtet sich auf Fernreisen am meisten vor Infektionskrankheiten, mehr noch als vor einem Unfall, Diebstahl oder Raubüberfall. Trotzdem lassen nur knapp zwei Drittel aller Befragten ihren Impfschutz vor jedem Reiseantritt tatsächlich überprüfen. Gründe für die mangelnde Kontrolle: Jeder Zehnte denkt einfach nicht daran, hat keine Zeit oder eine weitgehend unbegründete Angst vor Impfnebenwirkungen.
Mit großer Sorge beobachten Tropenmediziner die wachsende Beliebtheit von preiswerten Last-Minute-Reisen in südliche Länder oder die Tropen. Denn in den meisten Fällen bleibt für eine individuelle und ausführliche medizinische Beratung keine Zeit mehr.
















