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Homocystein und koronare Herzerkrankung

Das Herz, durch das pro Tag ungefähr 5000 bis 10000 Liter Blut fließen, wird selbst durch vergleichsweise kleine Blutgefäße, die Herzkranzarterien mit Blut versorgt. Arteriosklerotische Veränderungen dieser Gefäße führen zu Durchblutungsstörungen des Herzens (koronare Herzerkrankung) mit den typischen Angina Pectoris-Beschwerden bei Belastung oder in Ruhe. Ein akutes schweres Versorgungsdefizit führt zum Herzinfarkt, der häufigsten Todesursache in der westlichen Welt. Allein in den USA ereignen sich jedes Jahr 1,5 Millionen Herzinfarkte, davon 500.000 mit tödlichem Ausgang. Nikotin, hoher Blutdruck und hohe Cholesterinwerte sind als wichtige Risikofaktoren des Herzinfarktes bekannt, erklären aber nur etwa ein Drittel aller Herzinfarkte. Inzwischen ist klar, daß erhöhte Homocysteinwerte als Auslöser der koronaren Herzkrankheit genauso bedeutsam sind wie hohe Blutfettwerte.

Bei Herzinfarkt: Hyperhomocysteinämie ,,normal"

Um der gesunden Bevölkerung hat nur etwa jeder hundertste erhöhte Homocysteinwerte im Blut. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder Herzinfarkt fanden Forscher beinahe regelmäßig erhöhte Werte: Jeder zweite bis dritte Patient mit koronarer Herzerkrankung bzw. Herzinfarkt hat erhöhte Homocysteinwerte.

Außerdem besteht offensichtlich eine deutliche Beziehung zur Schwere der Erkrankung. Je schwerer die koronare Herzerkrankung (Ein-, Zwei- und Dreigefäßerkrankung), umso höher die Homocysteinwerte. Patienten, die noch weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen, sind nicht unerwartet besonders gefährdet, doch haben inzwischen viele Untersuchungen bestätigt, daß die Hyperhomocysteinämie ein sogenannter ,,unabhängiger Risikofaktor" ist, also auch dann gefährlich ist, wenn kein anderer Risikofaktor vorliegt.

Arteriosklerose im Labor

Schon Mitte der 70er Jahre konnte gezeigt werden, daß eine chronische Schädigung von Endothelzellen offenbar zu einer vorzeitigen und besonders stark ausgeprägten Arteriosklerose führt. Durch wiederholte Infusion von Homocystein bei Affen ließ sich innerhalb von wenigen Monaten eine dosisabhängige Schädigung der arteriellen Gefäßwände auslösen. In Zellkulturen erwies sich dabei Homocystein ebenfalls als schädigend für die Endothelzellen, die innere Auskleidung der Gefäßwände. Diese Zellen, die normalerweise die wichtigsten Enzyme zum Abbau von Homocystein synthetisieren, waren in Anwesenheit erhöhter Konzentrationen von Homocystein dazu nur noch bedingt in der Lage und deshalb besonders empfindlich gegenüber den toxischen Reizen.

USA: Über 50000 Todesfälle im Jahr vermeidbar

In einer Analyse wurde der Zusammenhang zwischen erhöhten Homocysteinwerten und koronarer Herzerkrankung untersucht. Die Studien zeigen die Bedeutung des Risikofaktors Homocystein für die Arteriosklerose des Herzens. Die Hyperhomocysteinämie erwies sich dabei als ebenso bedeutsam wie etwa die Hypercholesterinämie. Beiden gemeinsam ist auch, daß es keinen ,,sicheren" unteren Grenzwert gibt: je niedriger die Werte, umso besser.

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